Medizinnobelpreis 2017 – Das Ticken der inneren Uhr

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an drei US-Wissenschaftler. Sie werden für ihre Entdeckungen zur molekularen Grundlage der sogenannten „Inneren Uhr“, die den Biorhythmus steuert, ausgezeichnet.

Ich habe es nicht nachrecherchiert, aber vermutlich wurde noch nie ein klinisches Forschungsprojekt mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Hier dominiert ganz klar die Grundlagenforschung, so auch in diesem Jahr. Das Thema allerdings ist sehr spannend und betrifft uns alle: Chronobiologie – oder wie funktioniert die Innere Uhr?

Wie es der Evolution gelungen ist, etwas so schwer Fassbares wie die Zeit mithilfe biochemischer Prozesse messbar zu machen, ist faszinierend. Die ersten Beobachtungen dazu wurden schon im 18. Jahrhundert gemacht. Jean Jacques d’Ortous de Mairan, der eigentlich Astronom war, beschrieb 1729, dass die Mimose ihre Blätter auch dann tagsüber öffnet, wenn sie in ständiger Dunkelheit gehalten wurde. Offenbar verfügte sie über einen Zeitgeber, der unabhängig vom Licht war. Wie der Mechanismus aber genau funktioniert, konnte erst mit der modernen Molekularbiologie (zum Teil) entschlüsselt werden. Man fand Gene, die den Tag-Nacht-Rhythmus steuern, aber auch eines, das verhindert, dass die innere Uhr „vorgeht“, also zu schnell läuft. Mehr dazu finden Sie in diesem Artikel im Ärzteblatt.

Till Roenneberg ist Professor am Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er beschäftigt sich schon lange mit der Inneren Uhr und den gesundheitlichen Folgen, wenn sie „nicht richtig tickt“. In einem lesenswerten Interview in der Zeit online (Registrierung mit Email-Adresse erforderlich) erklärt er, was man chronobiologisch tun kann, um erholsamen Schlaf zu finden, und welche Folgen es hat, wenn die inneren Uhren der unterschiedlichen Körperteile nicht synchron laufen.

Foto: Kurt Michel / pixelio.de

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