Cochrane ist wichtig!

Schlechte Nachrichten erregen leider oft mehr Aufmerksamkeit als gute. Das muss zurzeit auch Cochrane erfahren. Dabei ist die Organisation sehr wichtig. Mehr als 37.000 Menschen aus über 130 Ländern arbeiten mit daran, verlässliche Gesundheitsinformationen zu erstellen. 

Die Zeit bringt in ihrer aktuellen Ausgabe einen Artikel mit dem Titel „Eine Institution gerät ins Wanken“ (hier der Link zur Online-Version). Vordergründig geht es um einen umstrittenen Cochrane-Review über die HPV–Impfung zur Prävention des Cervix-Karzinoms im British Medical Journal, eigentlich aber um einen der Autoren. Wer sich für die Details interessiert, dem empfehle ich die Stellungnahme von Prof. Dr. Gerd Antes (Wissenschaftlicher Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung) zu lesen, die er auf der Homepage der Organisation veröffentlich hat.

Cochrane wurde als The Cochrane Collaboration wurde 1993 gegründet. Sie ist nach dem britischen Arzt und Epidemiologen Archibald Leman Cochrane benannt. Mit seinem 1972 veröffentlichten Buch Effectiveness and Efficiency: Random Reflections on Health Services gilt er als einer der Begründer und Förderer der evidenzbasierten Medizin. Einen empfehlenswerten Artikel zu Leben und Werk von Archie Cochrane findet man in der James Lind Library.

Das Mittel der Wahl bei der Abwägung, ob eine Therapie wirksam ist oder nicht, ist die randomisierte kontrollierte klinische Studie. Übertroffen wird sie in der Aussagekraft nur noch von der Metaanalyse, bei der Ergebnisse aus verschiedenen Studien zusammengefasst werden. Sie sind das eigentliche Metier von Cochrane. Mit ihren qualitativ hoch anspruchsvollen Metaanalysen, den sogenannten Cochrane-Reviews, hat sich die Organisation über die Jahre viel Anerkennung erworben. Es gibt sie inzwischen zu den verschiedensten medizinischen Fragestellungen. Die Ergebnisse führen nicht selten zu Richtungswechseln in der Therapie, weil sich vermeintlich erfolgreiche Behandlungen doch als Irrweg herausstellten, wenn man studienübergreifend auf die Resultate schaut. Eine große Herausforderung ist dabei die Auswahl der Studien, die in die Metaanalyse eingehen, denn auch im 22. Jahr von GCP erfüllen bei weitem nicht alle klinischen Studien die wissenschaftlichen Anforderungen.

Wer sich einmal umschauen möchte: die Cochrane Library veröffentlicht die Abstracts aller Reviews. Hier finden Sie auch den oben erwähnten Artikel zur HPV-Impfung. Die Gegenrede ist hier veröffentlicht. Machen Sie sich selbst ein Bild!

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